Einführung in die Arbeit mit Epoxidharz

Für den Stitch & Glue-Bootsbau ist die Verwendung von Epoxidharz eine Grundvoraussetzung. Wir verwenden Epoxidharz: (1) als Kleber, (2) zum Verstärken und Laminieren, (3) als Versiegelung zum Schutz von unbehandeltem Holz, und (4) als Spachtelmasse.

Das richtige Mischungsverhältnis

Epoxidharz besteht aus zwei Teilen: Harz und Härter. Erst durch die Zugabe geeigneter Härter entsteht ein Kunststoff von hoher Festigkeit und chemischer Beständigkeit. Werden Epoxidharz und Härter gemischt, erfolgt je nach Zusammensetzung und Temperatur üblicherweise innerhalb von wenigen Minuten bis einigen Stunden die Aushärtung des ursprünglich viskosen Gemisches. Das Verhältnis von Harz zu Härter variiert von Hersteller zu Hersteller, und es ist absolut wichtig, sich beim Mischen genauestens an die Anweisungen des Herstellers zu halten. Epoxid, dem zu viel oder zu wenig Härter beigemischt wurde, erreicht nicht die volle Stärke nach dem Aushärten.

Kalibrierte Dosierpumpen sind eine gute Lösung, um ein genaues Mischungsverhältnis zu erreichen. Auch das Abwiegen von Harz und Härter mit einer einfachen Brief- oder Küchenwaage ist gut geeignet. Die alleinige Verwendung von Messbechern führt allerdings zu ungenauen Ergebnissen. Zur Dosierung von kleinen Mengen eignen sich auch große Einwegspritzen.

Verarbeitung

Die Verarbeitungsdauer von Epoxidharz wird Topfzeit genannt. Sie hängt von der Verarbeitungstemperatur, der Einstellung des Harzes und der Ansatzgröße ab. Übliche Topfzeiten liegen bei einigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden. Während der Topfzeit steigt die Viskosität des Harzes in einer nichtlinearen Kurve immer weiter an, bis schließlich keine Verarbeitung mehr möglich ist. Daher sollte immer nur so viel Harz angesetzt werden, wie innerhalb der Tropfzeit verarbeitet werden kann. Die Angabe der Topfzeit ist in der Regel bei einem Harz/Härter-Ansatz von 100 g gemacht – das heißt: größere Verarbeitungsmengen haben eine wesentlich kürzere Verarbeitungszeit. Wenn man größere Mengen anrühren muss, kann man die Verarbeitungszeit verlängern, in dem man das Epoxid möglichst schnell auf dem Arbeitsstück verteilt und nicht im Mischbecher lässt.

Kleben

Epoxide haften sehr gut auf Holz. Allerdings kommt es auf die richtige Menge an: Wenn zu wenig Epoxid verwendet wird, wird es vom Holz absorbiert und die Verklebung ist zu trocken und bleibt schwach. Es muss immer ausreichend Harz auf der Oberfläche zurückbleiben. Auf weichen und offenporigen Hölzern ist eine Vorgrundierung nötig, damit das Harz nicht zu tief eindringt und die Oberfläche sofort wieder trocken ist. Auch eine Zugabe von Füllern stellt ausreichend Harz an der Verklebung sicher. Diese Zusätze verleihen dem Harz zudem fugenfüllende Eigenschaften. Der Anpressdruck bei Verklebungen sollte nicht zu hoch sein, da sonst zu viel Epoxidharz aus der Klebestelle herausgedrückt wird. Überschüssiges Epoxid, das aus Verklebungen sickert, sollte entfernt werden, bevor es zu härten beginnt.

Verstärken und Laminieren

Durch das Aufbringen von Glasfasergewebe und Epoxidharz lassen sich hölzerne Bauteile verstärken und schützen. Mehrere Schichten Epoxid bilden einen Kunststoffbezug von hoher Abriebbeständigkeit, der zudem Kräfte aufnehmen kann. Die Harzmischung kann mit einer Rolle oder einem Spachtel aufgetragen werden und darf das Gewebe nicht „schwimmen“ lassen. Zwischen dem Auftragen des Laminats und der letzten Epoxidschicht sollte so viel Zeit vergehen, dass das Harzsystem sich gesetzt hat, aber noch nicht vollständig durchgehärtet ist. Alle Fasern des Laminats sollten gut in Harzmasse eingebettet sein. Wenn eine schon ausgehärtete Epoxid-Beschichtung überlaminiert werden soll, muss die alte Oberfläche leicht angeschliffen werden.

Versiegeln

Epoxid schützt als in das Holz eindringende Versiegelung ein Boot vor Trockenfäule. Diese entsteht durch hohe Feuchtigkeit, wenig Licht und zu geringen Luftaustausch. Um eine Fläche vollständig zu verschließen, wird Epoxidmasse am besten unverdünnt Schicht für Schicht aufgetragen. Man soll “nass auf klebrig” arbeiten, wobei die nächste Schicht immer erst dann folgen darf, wenn auf der vorhergehenden beim Berühren ein Fingerabdruck bleibt. Erst nach dem Durchhärten wird die letzte Schicht angeschliffen und lackiert.

Verdicken

Epoxid ist dünner als die meisten Klebstoffe, weshalb es aus Spalten und Fugen wieder herausfließen wird, wenn es nicht mit einem Verdickungsmittel oder Füllstoff gemischt wurde. Unbedingt unterschieden werden muss zwischen Härter und Verdickungsmittel. Härter wird immer in das Harz gemischt – Füllstoffe dagegen werden nur für einige Anwendungen hinzugefügt. Epoxid-Hersteller verkaufen viele Arten von Füllstoffen für verschiedene Anwendungen. Füllstoffe haben keine chemische Wirkung auf die Mischung, sie machen das Epoxid einfach nur dicker!

Die Menge des zugegeben Füllstoffs variiert je nach Anwendung. Bei der Beschichtung, Versiegelung oder Sättigung von Holz mit Epoxid werden keine Füllstoffe zugefügt. Bei der Verwendung von Epoxid als Klebstoff oder als Spachtelmasse, wird soviel Füllstoff der Harz-Härter-Mischung beigegeben, bis diese die Konsistenz von Mayonnaise oder Marmelade erreicht und nicht mehr vom Rührstab tropft.

Sicherheit

Epoxidharze und Härter enthalten potenziell gefährliche Chemikalien. Vermeide Hautkontakt durch das Tragen von Einweghandschuhen (Nitril- oder Vinylhandschuhe). Eine Atemschutzmaske muss besonders beim Schleifen und beim Einrühren von Füllstoffen getragen werden. Epoxid darf nicht mit Lösungsmitteln verdünnt werden. Benutze keine Lösungsmittel, um Pinsel oder Behältnisse zu reinigen, die später noch einmal benutzt werden sollen. Spuren von Lösungsmitteln verhindern das Aushärten des Epoxids. Wasser und Spülmittel sind am besten geeignet, um Epoxidspritzer zu entfernen und Arbeitsgerät zu reinigen.